In der ersten Maihälfte dieses Jahres hatte die Energienetze Bayern GmbH (Teil der
ESB) einen Brief an die privaten Türkenfelder Gaskunden verschickt. Demnach sei
„der Einbau und der Betrieb einer Gasheizung (…) auch weiterhin ohne Probleme
möglich“. (Siehe auch „Infobroschüre“ der Energienetze Bayern).
Dieser Brief – hier nachzulesen – erscheint problematisch:
- Er steht im Widerspruch zu den Empfehlungen unserer kommunalen
Wärmeplanung. - Er steht im Widerspruch zum umfassenden Konsens sowohl bei Installateuren
als auch in der Wissenschaft. - Er ist irreführend und beinhaltet falsche Tatsachenbehauptungen.
Unsere kommunale Wärmeplanung soll zur Planungssicherheit für unsere
Bürgerinnen und Bürger beitragen. Dies torpediert die ESB mit ihrem Brief.
Es ist offensichtlich, dass die ESB ihr fossiles Geschäftsmodell so lange wie möglich
erhalten will – und somit übermäßige Kosten in Privathaushalten verursacht.
Im Detail:
Rechtliches:
Rein rechtlich darf man nach aktueller Gesetzeslage (Gebäudeenergiegesetz GEG
aus 2024) eine Gasheizung weiter betreiben. Auch darf man zukünftig eine neue
Gasheizung einbauen. Jedoch muss die neue Gebäudeheizung – da bereits die
kommunale Wärmeplanung abgeschlossen ist – von Beginn an zu 65% erneuerbare
Energien nutzen – im Gegensatz zu den Behauptungen im Brief.
Ab 2045 darf keine fossile Heizung mehr betrieben werden.
Das GEG wird wahrscheinlich durch das Gebäudemodernisierungsgesetz GMG
ersetzt. Es ist jedoch noch nicht im Bundestag beschlossen.
Nach dem GMG-Regierungsentwurf wird die Pflicht zu 65% erneuerbaren Energien
gestrichen. Stattdessen wird eine sog. Biomethantreppe eingeführt. Demnach soll
erst ab 2029 für neue Gasheizungen ein Anteil von (lediglich) 10% des Gases nichtfossil
sein (z.B. Biomethan, synthetisches Methan, Wasserstoff). Der Anteil soll in 3
Stufen auf 100% bis 2045 steigen.
Der GMG-Regierungsentwurf ruft erhebliche Kritik hervor, nicht nur in den
Oppositionsfraktionen im Bundestag, sondern auch in Teilen der
Regierungsfraktionen sowie in der Wissenschaft.
Es ist daher keineswegs wahrscheinlich, dass das Gesetz den Bundestag so
verlässt, wie es in den Bundestag hineinkam.
Wirtschaftliches:
Gas wird sehr teuer:
- Steigende CO2-Preise aus dem EU-Emissionshandel (ETS-I und -II).
- Zunehmende internationale Instabilität (z.B. Iran-Krieg mit der Zerstörung von
Öl-/Gas-Produktionsanlagen, Beschränkungen/Sperrung der Straße von
Hormus). - Beimischung von Biomethan verteuert das Gas zusätzlich:
Die zusätzliche Nachfrage wegen einer auch nur 10%igen Beimischung von
Biomethan für die Gebäudeheizung könnte die Produktion in Deutschland
auch wegen bestehender Lieferverträge z.Zt. nicht bedienen. Für eine
100%ige Versorgung mit Biomethan für aktuelle Gebäudeheizungen bräuchte
man weit mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. - Bei synthetischem Methan (aus Wasserstoff hergestellt) und Wasserstoff
selbst besteht eine hohe Nachfragekonkurrenz aus der Industrie
(insbesondere Stahl, Chemie), die praktisch keine Alternative hat, um
klimaneutral zu werden. Es wird viel elektrische Energie zur Herstellung von
Wasserstoff benötigt. Man nennt ihn daher „Champagner der Energiewende“.
Wasserstoff ist zum Verheizen viel zu teuer.
Je teurer das Gas, desto mehr lohnen sich Alternativen, z.B. Wärmepumpen. Immer
mehr Haushalte stellen auf Wärmepumpe um und kündigen ihren Gasanschluss.
Die Kosten für das Gasnetz teilen sich somit immer weniger Haushalte. Die Folge:
Auch der Grundpreis für den Gasbezug steigt.
Sollten im großen Umfang weiterhin Gasheizungen nach GMG-Art betrieben oder gar
neu eingebaut werden, würde Deutschland die Klimaziele, zu denen sie verpflichtet
ist, im Gebäudebereich deutlich verfehlen. Sollten Klimagasemissionen nicht an
anderer Stelle entsprechend eingespart werden – wovon auszugehen ist, wäre
Deutschland ab 2030 gezwungen, Emissionszertifikate aus anderen EU-Ländern zu
kaufen und würde in weiteren Schritten mit steigenden Strafzahlungen beaufschlagt
werden. All das bezahlen letztlich wir Steuerzahler.
Fazit:
Der Brief der Energienetze Bayern GmbH suggeriert für die Zukunft einen
problemlosen Weiterbetrieb, ja sogar Neuinstallationen von Gasheizungen. Das
Gegenteil ist der Fall!
Thorsten Straßer
Mitglied Arbeitskreis Energie der Gemeinde Türkenfeld
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